Spezialgrundausbildung

Grafik: Kompaniewappen der 1. Kompanie Pionierbataillon 12
Kompaniewappen der 1. Kompanie Pionierbataillon 12 (© 1996 Gerd Knobling, Würzburg)

Die Spezi

Nach der Grundausbildung wurde ich zur 1./PiBtl 12 (Stabs- und Versorgungskompanie) versetzt und meine Verwendung (wie es so schön heißt) war Stabsdienstsoldat im S3-Geschäftszimmer des Stabes PiBtl 12.

Ich hoffe ich erzähle nicht zu viel, aber …

... die S3-Abteilung ist verantwortlich für die Planung aller Sachen die das Bataillon betreffen. Übungen, Manöver, Fahrschulkurse, Auslandseinsätze usw.

Man bekommt einen recht guten Überblick über alles und lernt die Oberen der einzelnen Kompanien kennen. Von den Vorgesetzten und Ranghöheren (sowohl aus dem Stab, als auch der Kompanien) wurden wir echt nett behandelt.

Zu uns (obwohl wir dem nicht direkt unterstanden) gehörte auch die S2-Abteilung. Das ist die, für die militärische Sicherheit. TOP SECRET. Ich schreibe nix weiter drüber.

Mein Dank für die angenehme Zeit im Stab gilt:
Major Metzger, HFw Happel, OFw Oechsner, OFw Beck, OLt Vogt, Fw Dopieralsky, StFw Schindler und SU Raab und wirklich vielen anderen mehr.

Foto: Soldat beim telefonieren
Mein Chef, der S3-Fw PiBtl12: HFw Happel (wie immer beim telefonieren)

Der S3-Feldwebel

HFw Happel war mein Chef. Naja, eigentlich kam dann noch der S3-StOffz, der war auch noch stellv. Btl-Kdr.

Aber der Hauptfeld war schon ein netter Mensch. Es war immer ein wenig (oder auch ein bißchen mehr) chaotisch, was man speziell dem Schreibtisch ansah. Aber alles hatte sein System.

Sein Kaffeekonsum war Wahnsinn. Er bekam bei meinem Ausscheiden einen Riesengroßen Kaffeepott, damit unsere Nachfolger nicht so oft nach nebenan laufen müssen, um Nachschub zu holen. ;)=

Mittlerweile ist mein Hauptfeld ein Oberstabsfeldwebel a.D., genauer seit dem 01.01.2006.

Foto: Soldat am Computer, macht Peace-Zeichen
Sein Helfer und Stellvertreter: OFw Oechsner (ein cooler Typ)

Der Seuchenfuzzi

Ö, wie er genannt wurde, war der Seuchenfuzzi vom Bataillon. Also der, der sich mit der ABC-Abwehr beschäftigen mußte.

Eigentlich war sein Zuhause der KpTrp (Kompanie-Trupp) in der 1., aber irgendwann saß er plötzlich mit bei uns im GeZi. Er war ein sehr lustiger und kameradschaftlicher Vorgesetzter, wie eigentlich alle “Dienstgrade” die mir in meiner Zeit im Stab begegnet sind.

In seiner Freizeit ist er Mountainbike gefahren. Er hat wohl hinterher auch noch weiter gemacht und war recht erfolgreich. Alle Achtung. Jetzt weiß ich allerdings auch, warum Markus immer so außer Puste war, wenn er ‘ne Runde mit Ö gedreht hatte. ;)=

Foto: Soldat an einer Tür
Zweiter Chef und Kegelbruder: Fw Dopieralsky

Kegelbruder

Fw Dopieralsky bildete zusammen mit seinem OLt die S2-Abteilung des Bataillons.

Er ist Sachse, hatte ein fröhliches Gemüht und machte oft seine Späße. Er war ein richtig netter Vorgesetzter (Darf man sowas eigentlich sagen – oder darf ein Vorgesetzter solch einen Eindruck machen?).

Im Uffz-Heim der Kaserne war (ist bestimmt immernoch) eine Kegelbahn. Wenn man rechtzeitig bestellte und sich den Schlüssel an der KaWa (Kasernenwache) abholte, dann konnte man dort Kegeln. S2/S3 und GuE1 (weiß nicht mehr was das heißt) und noch ein paar andere, gingen so ein-/zweimal im Monat kegeln.

Wenn sich die Wache zu dämlich anstellte, fragte ich kurz beim Kasernenfeldwebel nach, der machte die Wache rund wie ein Buslenker und dann gingen wir kegeln.

1 Dank eines netten Eintrags in meinem Gästebuch, ward mein Hirn erleuchtet. GuE-Trp = Gefechts- und Erkundungstrupp.

Foto: 4 Soldaten vor einem Aktenschrank
Die Mannschaftsdienstgrade des S3-Geschäftszimmers (v.l.n.r.): Pi Bohnengel, OG Baumann, OG Albert, OG Hock

Die Mannschaften im S3-Gezi

Aber pssst, keinem weiter sagen:
Das S3-Gezi hatte zwei Planstellen für Grundwehrdienstleistende, wieviele siehst Du??

Richtig, wir waren eigentlich komplett überbelegt. Das hatte aber einen Grund. Einer meiner Kameraden hatte seine Dienstzeit um zwei Monate verlängert (W10+2), einer war immer nur auf Manövern (innerhalb geschlossener Räume zu sein, war nicht so sein Ding) und ich hörte einen Monat nach dem W10+2er auf. Somit wäre unser armer kleiner Nachfolgepionier alleine gewesen. Das geht natürlich nicht.

Und trotzdem hatte immer jeder was zu tun und wenn’s Kaffee kochen war.

Foto: Soldat mit bösem Gesicht in Angriffshaltung
Der GuE-"Chef": OG Zeiß (Zitat: "To copy woa mai Hobby")

Die Freunde von schräg übern Gang

Wenn man bei uns aus der Tür fiel und schräg links über den Gang “kroch”, kam man in die heiligen Hallen von GuE2 . Wie gesagt, ich weiß echt nicht mehr, was es bedeutet. (Das hieß vorher mal EuP = Erkunden und Planen – sowas merk ich mir wieder, schlimm.) Egal.
Dort konnte man kopieren und die Leute haben z.B. die Wegweiser zu Gelöbnissen geklebt und die Aufstellungen für die jew. Plätze ausgemessen und angezeichnet. Außerdem waren sie Kartenzeichner, oder eher KartenEINzeichner.

Auf alle Fälle gab es dort sehr nette Leute, eine Kaffeemaschine für meinen Hauptfeld (boah war das Ding verkalkt) und einen Kopierer.

Einen der netten Leute dort war: “Zeiserl”. Nachdem alles was dienstälter war gegangen war (Ende Januar), war er der Obermotz. ;)=

2 Siehe zwei Abschnitte weiter oben.

Was gibt es sonst noch zu erzählen?

KaWa oder auch Kasernenwache

Bei uns in der 1./- gab es so eine Art Punktesystem, damit jeder gleichmäßig an den Wachdiensten beteiligt wurde.

Somit traf es auch mich. Man versuchte natürlich mit irgendwem zusammen zu kommen, mit dem man sich auch unterhalten konnte (und nicht nur immer stumpf über Titten reden muß ). Es gab drei Sachen aus denen man “wählen” konnte, so man zeitig genug “Hier!” geschriehen hat.

  • Posten: man steht jew. zwei Stunden, abwechselnd mit zwei anderen armen Soldaten, bei Wind und Wetter mit scharfer Pistole (wer die Pistolenprüfung nicht hat, mit Gewehr) am Kasernentor. Was tagsüber einigermaßen geht, ist nachts totlangweilig – und im Winter dazu noch arschkalt.
  • Streife: man läuft in vorher ausgeknobelten Zeittakten und Wegen mit geladenem Gewehr im Anschlag quer und schräg in Schleifen durch die Kaserne. Im Winter wurde einem wenigstens beim Laufen warm. Außerdem hat der Streifenführer noch ein Funkgerät. Was besonders sinnig ist, wenn das in der Wache ausgeschalten ist.

  • Als Streife durfte man nach einer Nacht, in der man fast nicht geschlafen hatte, morgens nach dem Duschen an seinem normalen Dienst teilnehmen.
  • stellv. Wachhabender: der Traum eines jeden GWDL (Grundwehrdienstleistenden). Dritthöchste Priorität, wenn es um die Befehlserteilung geht. Der Kasernenwache haben alle zu gehorchen und wenn der Kommandeur seinen Dienstausweis vergessen hat, dann könnte ihn der Posten durchaus auch wieder nach Hause schicken.
    Egal, zurück zum “Stellv.”. Nach dem OvWa (Offizier von Wachdienst – ein Fw aufwärts oder Offizier) und dem Wachhabenden (Uffz oder StUffz) ist man dritter Mann im Lande. Wenn also die ersten beiden schlafen, ist man, selbst als Gefreiter, Chef. War geil, aber man schläft die ganze Nacht nicht, weil sich zuerst der Wachhabende hinlegt (also irgendwann um zwei/halb drei – nicht daß wir uns falsch verstehen). Ich hab mich, glaube ich, erst nach dem Frühstück hingelegt – in eine der Zellen im Wachgebäude. Auch so ein Privilleg. *lach*

    Bei uns in Volkach gab’s zu Wachezeiten immer lecker Pizza. Wie schon hier links an der Seite steht – Pizzeria Rimini. Echt Wahnsinn.

    Ein weiteres Privileg des Wachdienstes ist es, sich beim Essen vordrängeln zu dürfen. Man hatte so eine Armbinde, auf der “Streife” oder “Wache” steht und konnte an der Schlange vorbei gehen, da ja mehrere Wachsoldaten in der beschränkten Essenszeit verpflegt werden mußten. Und die Zeit für das Anstehen sollte halt nicht verloren gehen.

    Steigerwaldmarsch

    Es war im Juni 1996 und ich wanderte die Strecke Ebrach – Abtswind – Iphofen – Volkach (und noch ein paar Städtchen zwischendrinne).

    Nunja, 90 Kilometer an drei Tagen. Das ist ganz schön anstrengend. Ich sage das, obwohl nich nur zwei mitgelaufen bin. Und das kam so:

    Am zweiten Tag, irgendwo in den Weinbergen über Iphofen wurde mir mein Rucksack und Gewehr so schwer, daß ich mir, durch Lageveränderung selbiger, Linderung verschaffen wollte. Dummerweise hatte ich mein Gewehr so dämlich über die Träger des Rucksackes gehangen, daß dieses bei der ruckartig ausgeführten Bewegung nach oben schnellte und ein Stück von meinem oberen linken Schneidezahn dran glauben mußte.
    Bis Iphofen durfte ich noch mitlaufen, dann aber gleich zu nem Zivilzahnarzt (darf man sonst eigentlich nicht) und das ganze provisorisch versorgen lassen. Am nächsten Morgen nahm mich dann ein LKW mit in die Kaserne, wo ich mich vom dortigen Zahnarzt versorgen lassen durfte.

    Hat er ganz passabel gemacht, die ausgebesserte Stelle fällt fast nicht auf. Mein Zahnarzt hat’s aber gemerkt. Guter Mann. ;)=