Grundausbildung, Schrecken der Rekruten!?

Grafik: Kompaniewappen der 3. Kompanie Pionierbataillon 12
Kompaniewappen der 3. Kompanie Pionierbataillon 12 (© 1996 Gerd Knobling, Würzburg)

Die Grundi (vom 04.10.1995 – 08.12.1995)

Meine Grundausbildung absolvierte ich bei der 3./PiBtl 12.
(Übersetzung ins Deutsche: 3.Kompanie des Pionierbataillons 12)

Über das Einkleiden, Warten usw. in den ersten Tagen brauche ich wohl keine Worte zu verlieren. Es ist einfach nur chaotisch und für die frisch eingetroffenen Rekruten Streß pur und reichlich nervend.
So im Nachhinein betrachtet, ist es aber einfach nur eine wahnsinnige Leistung, die ein paar Soldaten, die für die AGA abkommandiert sind, vollbringen, um (in meinem Fall) ca. 150 Mann zu Soldaten zu machen.
Klar hat man keine Ahnung von nix und muß alles zehn mal in Pappe ausgeschnitten bekommen, aber man gewöhnt sich ja dran.

Mein Dank für diese (nicht immer angenehme) Zeit gilt:

  • meinen Gruppenführern U Weidner und OG/UA Funke
  • SU Lange
  • OLt Köhl, meinem Zugführer!!
Foto: Bewohner von Stube 05
oben: Pi Messerschmidt - unten (v.l.n.r.) Pi Mosebach, Pi Vogt, Pi Elster, Pi Albert - auf dem Bild fehlt: Pi Deppisch D. (einer mußte ja fotografieren)

Die Stube 05: (vom 04.10.1995 – 24.11.1995)

Die legendäre Stube 05: Wir waren die einzige Stube des Gebäude in dem unser Zug untergebracht war, die sich im Erdgeschoß befand. Das hatte zur Folge, daß wir Befehle einfach nicht hörten. Und man konnte es uns nicht mal übelnehmen. Ach, waren wir immer Engel wenn es darum ging, angeschissen zu werden.

Wir waren ein bunt zusammengewürfelter Haufen. 3 Thüringer, 2 Franken und 1 Berliner.

Christian, ich sag nur: “Dreiefuffzsch dursch!!”

Anekdoten am Rande

In eine andere Stube, die mit unserer zu einer Gruppe zusammengelegt war, zog vorerst niemand ein.

Der erste spätere Bewohner hatte eigentlich eine Unabkömmlichkeitserklärung von seinem Chef und kam glaube ich irgendwo von Montage “nachangereist”. Er hatte lange hellblonde Haare (bis zu den Schultern). In der einen Woche, die der Bund brauchte, um das mit der Erklärung nachzuprüfen, mußte er leider zum Friseur. Haare radikal ab. Ein paar Tage später durfte er wieder gehen, weil alles rechtens war.

Der zweite, war da schon ein ganz anderer Fall. Er wollte nicht. Was man so hörte, mußte er mit Feldjägerunterstützung aus einem Bauwagen geholt werden, wo er sich (angeblich) mit einer Schrotflinte verschanzt hatte. Er mußte bleiben und wurde aber sehr geschont, damit er ja nicht austickt. Er war nach der Grundausbildung dann Laufbursche im GeZi der 3.

Foto: 2 Soldaten (rechts: Pi Vogt, links Pi Albert)
Aber hart haben uns diese Tage gemacht - Sieht man doch, oder??

Biwak Nummer 1

Falls Du nicht weißt was Biwak ist (wußte ich vorher auch nicht), erkläre ich’s kurz. Also, Biwak ist (besonders zwischen November und März) Hardcore-Zelten irgendwo in der Pampa.

Unser erstes Biwak führte uns (im Spätoktober) auf und neben das Gelände der StOSchAnl (Standortschießanlage) der Kaserne in Volkach. Das war ein Fußmarsch von vielleicht 5 Kilometern, vielleicht war’s auch weniger. Die Zelte bauten wir neben der Anlage auf und auf den Schießbahnen war dann Waffenausbildung. Echt clever die Bundeswehr, zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Naja, das Wetter ging einigermaßen, aber beim warten auf’s Schießen im Schatten war es auch schon ein wenig frisch.

Anekdoten am Rande

Wußtest Du, daß man sich perfekt auf seinen Stahlhelm setzen kann? Dummerweise verformt er sich ein bißchen. Aber der Hintern wird halt nicht kalt.

Wie rasiert man sich “im Feld”? Der ein wenig überlegende Leser wird jetzt sagen: “Mit ‘nem Naßrasierer!”. Richtig. Einige meiner Kameraden brachten aber ihren elektrischen Rasierer mit. Kommentar von den Vorgesetzten: “Naja, dann stecken Sie Ihren Apparat doch in den Baumstamm da drüben, vielleicht funktioniert’s ja.”
Ich fand das echt amüsant, weil es mich ja nicht betraf.

Wie man auf Spitznamen kommt

Ein nicht näher benannter Pionier aus meiner Stube (er war von etwas kleinerer Gestalt *lach*) wurde nach einiger Zeit und für den Rest des Grundwehrdienstes von uns nur noch “Blinky” genannt – und das kam so …

Wenn eine Kompanie auf öffentlichem Verkehrsraum marschiert, stellt sie ein Hindernis der Größe (Länge und Breite) eines Lkw dar. Dies muss (anscheinend auch in irgendwelchen ZDv geregelt) entsprechend abgesichert werden. Diejenigen Soldaten, die am Anfang und am Ende des Blocks zur Mitte der Fahrbahn liefen, bekamen eine leuchtende Warnweste verpasst und mußten auf dem Helm ein orangenes Blinklicht tragen. Dieses hieß glaube ich im Armeejargon auch noch “Blinky” und somit war der Spitzname unseres kleinen, nicht näher benannten, Soldaten, der am Ende der Abteilung stehen und gehen mußte, geboren.
Mich hätte bald das gleiche Schicksal ereilt. Zum Glück gab es aber einen, der größer war als ich.

Biwak Nummer 2

Während das erste Biwak von den Temperaturen her, die in Mainfranken herrschten, noch einigermaßen auszuhalten war, bibberten und zitterten wir beim zweiten um so mehr.

Es war die zweite Novemberwoche und es war ar…kalt!! Wir “campierten” auf dem damaligen US-Übungsplatz Klosterforst ganz in der Nähe der Autobahnraststätte “Haidt” an der A3, die man auch noch durch den Wald leuchten sah. In der Nacht in der Kälte stehen machte keinen richtigen Spaß (unter anderem haben wir gemerkt, daß die Serben und Kroaten, die Anschläge auf die Bundeswehr planten, Hirngespinste unserer Vorgesetzten waren!!)

Wo wir doch grade bei der Nacht waren: Danke Herr K., daß Sie die Stimme unseres Oberleutnants so täuschend echt immitieren konnten und damit arme in der Stellung Schlafe, äääh Wache haltende, total müde Soldaten zu Tode erschreckt haben. *grummel*

Foto: 2 Personen an einem Tisch
Meine damalige Freundin Adriane und ich!!

Mein feierliches Gelöbnis

Einen Tag nach Ende des Biwaks war dann unser Gelöbnis (mit Elterntag und Tag der Offenen Tür). Wir hatten ganz arg zu schrubben, daß auch ja der ganze Dreck der vier vorangegangenen Tage bis aufs letzte Krümel entfernt war.

DAS GELÖBNIS AN SICH: Wir waren knülle wie nix!! Und vom schönen Markt Wiesentheid, der unser Gastgeber war, sahen wir auch nicht viel!! Nach stundenlangem Stehen, dem Singen der Nationalhymne etc. durften wir endlich in die “Steigerwaldhalle” einrücken und der ganze Spuk hatte ein Ende. Es gab “Lecker”-Erbseneintopf. *NAMM NAMM*

Die restlichen 2 Wochen Grundausbildung

Gegen Ende der Grundi wurden die 3 Züge unserer Kompanie umsortiert. Viele durften einen Führerschein machen und sollten in dem Gebäude wohnen, wo bisher wir vom 2 Zug untergebracht waren. Also alle Sachen packen und quer über den Ex-Platz in das Hauptgebäude der 3. Kompanie schleppen.

Eigentlich war auch unsere Stube zusammen geblieben, nur einer – in Insiderkreisen Pionier Maik genannt – war uns abhanden gekommen. Er war ein paar Tage zuvor mit einer mörderischen Blutvergiftung im Bein, hervorgerufen durch eine Blase am Fuß, nach Veitshöchheim gebracht worden und war, glaube ich, ‘ne Woche dort. Die Stube wurde aufgefüllt, fanden wir gar nicht toll.

Das allergeilste – eben BW-Logik – war ja dann, daß wir, die in die 1. Kompanie versetzt wurden, nach zwei Wochen wieder in das alte Gebäude umzogen.

Das Ende fand dieser Abschnitt nach einer weiteren Woche – dann waren die Einführungsausbildungen vorüber – mit einem Umzug in’s Kompaniegebäude der 1. Kompanie (Dazu später mehr)